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Warum wir die AfD alle unterschätzen
Was die AfD will, ist längst kein Geheimnis mehr, sie schreibt es mittlerweile selbst auf. Ein internes Strategiepapier, das dem Magazin Politico zugespielt wurde, zeigt: Diese Partei ist nicht bloß der radikale Auswuchs einer kriselnden Gesellschaft, sondern sie ist eine autoritär durchgeplante Bewegung mit einem klaren politischen Ziel: die systematische Zerstörung der politischen Mitte in Deutschland.
Die AfD will nicht regieren, sie will sprengen. Nicht mit lautem Getöse, sondern mit kalkulierter Strategie. Ihr Plan ist ein Kulturkampf, der SPD, Grüne und CDU gegeneinander ausspielt. Sie setzt auf Themen wie Gender, Migration, „Multikulti“, Veganismus – nicht, weil sie echte Antworten bieten will, sondern weil sie weiß, dass diese Themen Reizpunkte sind, die Gräben in der demokratischen Mitte vertiefen.
Gleichzeitig gibt man sich im Bundestag bewusst gemäßigt. Die Tonlage wird weicher, die Rhetorik seriöser, nach außen zumindest. Die AfD will anschlussfähig erscheinen, um sich als vermeintlich verantwortungsvoller Partner anzubieten. Vor allem der CDU. Man setzt darauf, dass die Brandmauer fällt: Von oben und von unten zugleich.
Von oben, indem CDU und SPD künstlich entzweit werden. Eine Ampel 2.0 wird als Bedrohung inszeniert, Schwarz-Rot als Verrat an konservativen Werten. So soll die CDU isoliert und verunsichert werden, um die Versuchung zur Zusammenarbeit mit der AfD schleichend zu normalisieren.
Von unten, indem die AfD auf breitere gesellschaftliche Akzeptanz setzt. Sie will Stammwähler:innen binden und neue Wählergruppen erschließen, nicht durch Radau, sondern durch vermeintlich pragmatische Antworten auf soziale Sorgen, ökonomische Unsicherheit und Zukunftsangst. Bürgergeld, Migration, Inflation – all das wird zur Bühne für ein neues, „bürgernahes“ Auftreten, das am Ende nur ein Ziel hat: die Demokratie zu unterwandern.
Diese Partei will nicht Teil des Systems werden, sondern sie will es sturmreif schießen, um an seine Stelle zu treten. Dass viele sie immer noch für eine Protestbewegung halten, ist vielleicht ihre größte Stärke und unser gefährlichster Irrtum.
Wer das nicht erkennt, läuft sehenden Auges in eine autoritäre Zukunft. Es reicht nicht mehr, sich über die AfD zu empören. Wir müssen ihre Strategie durchschauen, benennen und bekämpfen: Entschlossen, gemeinsam, ohne faulen Opportunismus.
Vor allem die CDU steht jetzt in der Verantwortung. Sie muss endlich klarstellen, wo sie steht. Eine Annäherung an die AfD, direkt oder indirekt, wäre nicht nur ein Bruch mit der Geschichte ihrer Partei, sondern ein Verrat an der Demokratie. Wer bei der nächsten Wahl über Koalitionen nachdenkt, muss wissen: Eine Partei wie die AfD lässt sich nicht integrieren. Sie will am Ende alle verdrängen.
Wir Sozialdemokrat:innen dürfen ebenfalls keine falschen Kompromisse machen. Der Schutz der Demokratie beginnt mit Klarheit – in Worten und in Taten. Wer die Brandmauer aufweicht, macht sich mitschuldig am Abriss unseres politischen Hauses.
Lennart Hensen
Vorsitzender Jusos Hürth
Präsentation der AfD Fraktion: https://www.politico.eu/wp-content/uploads/2025/07/06/BvS-FraKlausur-0407-Freitag.pdf
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