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Gewaltschutz rettet Leben – Jusos und SPD Frauen Rhein-Erft sammelten 7.000€ für das Frauenhaus Rhein-Erftkreis e.V.

Am Samstag, den 29. März luden die Jusos Rhein-Erft und SPD Frauen Rhein-Erft zur Veranstaltung „Nein zu Gewalt an Frauen – Gewaltschutz rettet Leben“ ins Rathaus der Stadt Bedburg ein. Die Expertinnen Janin Harig und Sabrina Prior des Frauenhauses Rhein-Erftkreis e.V. und Rainer Breidenbach-Siegel von der Fachstelle Gewaltprävention des Arbeiter-Samariter-Bundes brachten den knapp 30 Interessierten den Gewaltschutz näher.
Hierzu beleuchten sie aus ihrer praktischen Erfahrung wie bedeutsam es ist, dass Staat und Gesellschaft in der Verantwortung stehen, Gewalt gegen Frauen und ihren Kindern – nicht nur in der akuten Gewaltsituation – sondern präventiv entgegen zu wirken. Prävention setzt bei den Kindern an. Wenn Kinder miterleben, wie der Vater die Mutter z.B. schlägt, bis zur Bewusstlosigkeit würgt sowie psychisch misshandelt, dann hat dies immense Auswirkungen auf die physische und psychische Gesundheit und Entwicklung der Kinder. Wenn die Gesetzgebung sagt, dass Kinder – auch gegen ihren Willen – Umgangskontakt zum Gewalttäter haben sollen, dann hat der Staat in seiner Fürsorgepflicht gegenüber Schutzbefohlenen versagt.
Frau Harig und Frau Prior nahmen in einer beispielhaften, beeindruckenden, praktischen Darstellung eines „Spießrutenlaufes“ einer von Häuslicher Gewalt betroffenen Mutter und ihrer zwei Kinder Bezug auf die gravierenden Auswirkungen derzeitiger gerichtlicher Praxis in Deutschland in Sorge – und Umgangsrechtsverfahren.
Die aktuelle Rechtslage und gerichtliche Praxis ist für gewaltbetroffene Frauen und ihre Kinder oft nicht nur retraumatisierend, sondern u.U. lebensgefährlich und hebelt den Schutz, den sie unabdingbar benötigen, aus. Die Mitarbeiterinnen des Frauenhauses stellten deshalb die neue Reform des Kindschaftsrechtes vor, welche die Häusliche Gewalt endlich in den Blick nehmen soll.
Rainer Breidenbach – Siegel beeindruckte durch seine jahrzehntelange Fachexpertise in der Täterarbeit. Kann Gewaltschutz gelingen, wenn der Täter an seinem Verhalten nichts ändert? Die Antwort ist: Nein. Solange Gewalttäter nicht zur Verantwortung für ihr Verhalten gezogen werden, wird die von ihnen ausgehende Gewalt anhalten. Solange Gewalttäter keine Anti – Gewalt – Strategien erarbeiten, wird die von ihnen ausgehende Gewalt anhalten. Solange der Staat keine verpflichtenden Täterprogramme auferlegt, wird die Gewalt anhalten. Janin Harig machte deutlich: „Das in der Gesellschaft verbreitete Narrativ, dass Gewalt an Frauen ein neues „importiertes“ Thema in Deutschland sei, entspricht in keinem Fall der Realität. Wenn wir uns die aktuellen Zahlen des statistischen Bundesamtes in Bezug auf Gewalt an Frauen anschauen, ist es unsere selbstverständliche Pflicht, auf allen Ebenen der Gesellschaft, in der Politik sowie der Deutschen Rechtsprechung weiterhin dafür zu kämpfen, dass Frauen und ihre Kinder gewaltfrei leben können. Die neue Reform des Kindschaftsrechts lässt hier ein wenig hoffen. Wenn sich in Deutschland der Gewaltschutz auf Basis des geltenden Rechtes der Istanbul –Konvention in der gerichtlichen Praxis widerspiegeln würde, kämen wir diesem Ziel näher.“
Die Fachstelle Gewaltprävention des Arbeiter-Samariter-Bundes setzt mit ihrer Täterarbeit genau dort an. „Die Verantwortung für sein Verhalten, die Entscheidung, gewalttätig zu sein, trifft der Täter und niemand anderes!“, so der Experte. Dieser Perspektivwechsel ist einer von vielen Präventivmaßnahmen und Strategien in der Arbeit mit Gewalttätern. In seinen Workshop brachte Herr Breidenbach-Siegel diesen
Ansatz den ausschließlich männlichen Teilnehmenden auf bemerkenswerte Art und Weise näher. „Wir müssen an die Wurzel des Problems. Es muss Auflage werden, wenn man gewalttätig gegenüber einer Frau wurde, sich aktiv mit dem falschen Verhalten und dem dahinterstehenden Machtkomplex und fehlenden Respekt auseinanderzusetzen. Das wünsche ich mir.“, so Breidenbach – Siegel.
Gewalt an Frauen wird oft als ein Randthema abgetan. Realität ist jedoch, dass in der EU jede 3. Frau mindestens einmal körperliche oder sexuelle Gewalt in ihrem Leben erlebt. Im Jahr 2023 wurden allein in Deutschland 180.715 Frauen Opfer häuslicher Gewalt und 52.330 Frauen waren betroffen von Sexualstraftaten. Im Rhein-Erft-Kreis werden pro Jahr ca. 1.500 Frauen Opfer von häuslicher Gewalt. Dem gegenüber stehen 24 Plätze im Frauenhaus Rhein-Erftkreis e.V.
„Die Zahlen sind alarmierend und die Notwendigkeit das Thema „Gewaltschutz“ nach oben auf die Agenda zu setzen dringend gegeben. Es ist uns wichtig hierfür eine Öffentlichkeit herzustellen und Sensibilität zu schaffen. Zu oft trauen sich die Betroffenen nicht über ihre Erfahrungen zu sprechen aus Angst vor Verurteilung. Die Scham muss die Seite wechseln“, so Nina Wolff, Bedburgerin und Co-Vorsitzende der Jusos im Rhein-Erft-Kreis.
Seit drei Jahren sammeln die Jusos und SPD Frauen Rhein-Erft im März Spenden für das Frauenhaus Rhein-Erftkreis e.V. In diesem Jahr konnten mit 10 Spendenaktionen vor Supermärkten und in Fußgängerzonen in jeder Stadt des Rhein-Erft-Kreises ganze 7.000€ akquiriert werden. Doch Geld alleine, reicht nicht. Aufklärung muss her. Da waren sich alle Beteiligten einig. Aus diesem Grund verteilten die Jusos und SPD Frauen bei den Aktionen Informationsmaterialien, führten zahlreiche Aufklärungsgespräche und luden nicht zuletzt zur Veranstaltung am vergangenen Samstagnachmittag ein.
„Wir freuen uns über die hohe Spendenbereitschaft, aber insbesondere auch für die vielen guten Gespräche, die wir im Rahmen der Aktionen in den Städten mit den Menschen haben führen können. Das Feedback der Menschen war zum größten Teil sehr positiv und interessiert. Die Arbeit des Frauenhauses wird bei uns vor Ort zurecht hochgeschätzt. Die Frauen leisten grandiose Arbeit,“ so Melani Schmielewski von den SPD Frauen Rhein-Erft.
Am Ende der Veranstaltung steht: „Der erste Widerstand gegen Gewalt ist, sie sichtbar zu machen“, ein Zitat von Gloria Steinem, dem die Veranstalter*innen alle Ehre machten.
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